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FERI Markets Update Oktober 2026 - Zinsschock mit Tiefenwirkung: KI-Finanzierung unter Druck, doch die Gegenkräfte wachsen

Bad Homburg, 27.10.2026
von Dr. Eduard Baitinger
  • Zinsanstieg zeigt Wirkung: Nebenwerte geraten unter Druck, Marktbreite nimmt ab, Qualitätsunternehmen zeigen Stärke
  • Finanzierungssorgen im KI-Sektor: Neoclouds als schwächstes Glied unter Druck
  • Lichtblicke: Gewinnseite bringt wieder positive Impulse, anhaltende Korrektur dürfte ausbleiben

Der jüngste Zinsanstieg hat an den Kapitalmärkten deutliche Spuren hinterlassen. In der Spitze lagen US-Treasuries bei einer Rendite von 5,3 % und damit 100 Basispunkte höher als zu Beginn des Jahres. Auf Indexebene haben sich diese Werte nur bedingt widergespiegelt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch eine deutliche Differenzierung: Die Marktbreite nahm spürbar ab und Nebenwerte gerieten unter Druck, während Qualitätsunternehmen relative Stärke zeigten. Zudem schürte der Zinsdruck Finanzierungssorgen im KI-Segment.

Am stärksten traten diese bei den sogenannten Neoclouds zutage, vergleichsweise kleinen, spezialisierten Anbietern von KI-Rechenkapazitäten. Aufgrund ihrer hohen Verschuldung und ihres großen Kapitalbedarfs zählen sie zu den finanziell anfälligsten Gliedern der KI-Wertschöpfungskette und reagieren entsprechend früh auf restriktivere Finanzierungsbedingungen. Sinkende Anleihekurse und steigende Prämien für Kreditausfallversicherungen signalisierten zunehmende Zweifel an der Finanzierbarkeit ihrer ambitionierten Investitionspläne.

Zusätzlich verunsicherte, dass der Umsatz von Anthropic, einem der führenden KI-Modellanbieter, hinter den hohen Erwartungen zurückblieb. Diese Enttäuschung dämpfte die Bewertungserwartungen im Vorfeld des geplanten Börsengangs: Zuletzt wurden etwa 1,5 Billionen USD diskutiert, nachdem Investoren zuvor von rund 2 Billionen USD ausgegangen waren. Gemessen an der Unternehmensbewertung wäre dies allerdings weiterhin einer der größten Börsengänge der Finanzmarktgeschichte. Zudem bleibt das Wachstum mit einem Umsatzplus von rund 45 % gegenüber dem Vorquartal außergewöhnlich hoch. Zwar lag das Wachstum vom ersten Quartal des Jahres auf das zweite Quartal bei 146 %, aber eine solche Spannbreite ist bei jungen Unternehmen keine Seltenheit. Dass es zu dieser Verlangsamung gekommen ist, dürfte neben stärkerem Wettbewerb und sinkenden Erlösen je Nutzungseinheit auch auf die Sperrung von Konten zurückzuführen sein, über die konkurrierende Anbieter mithilfe sogenannter Modelldestillation eigene Modelle trainierten. Der Verzicht auf diese Umsätze belastet zwar kurzfristig das Wachstum, könnte langfristig allerdings dazu beitragen, Anthropics technologischen Vorsprung zu schützen und die eigene Wettbewerbsposition zu stärken.

Zuletzt mehrten sich jedoch die positiven Signale. Der Zinsdruck ließ nach, und die Langfristzinsen entfernten sich deutlich von ihren Jahreshochs. Die mittlerweile hohen Nominal- und insbesondere Realrenditen zogen wieder verstärkt Investoren an, was sich auch in der regen Nachfrage bei den jüngsten Anleiheauktionen widerspiegelte. Gleichzeitig deutet die laufende Berichtssaison weiterhin auf ein robustes Gewinnwachstum und einen intakten KI-Investitionszyklus hin. Bereits zuvor hatten steigende Gewinne die rückläufigen Bewertungen weitgehend kompensiert und damit größere Verluste der Gesamtindizes abgefedert. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass derzeit sowohl von der Zins- als auch von der Gewinnseite unterstützende Impulse kommen. Dies spricht gegen eine anhaltende Korrektur der breiten Aktienmärkte.


Über Dr. Eduard Baitinger

Dr. Eduard Baitinger ist seit 2015 Leiter Asset Allocation der FERI AG. Unter der Gesamtverantwortung des CIO der FERI Gruppe, Dr. Marcel V. Lähn, ist Dr. Baitinger für die quantitative Asset Allocation im CIO Office und diverse Publikationen zur Einschätzung der internationalen Finanzmärkte verantwortlich.

Vor seiner Tätigkeit bei FERI war Dr. Baitinger wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bremen und Finanzanalyst bei einem Asset Manager. 2010 schloss er sein Studium an der Universität Bremen, begleitet von einem Auslandsaufenthalt in New York, als Diplom Ökonom ab. 2014 promovierte Eduard Baitinger mit Auszeichnung über neue Ansätze für das quantitative Asset Management. Dr. Baitinger publiziert regelmäßig in akademischen Fachzeitschriften und fungiert als akademischer Gutachter.

Über FERI

Die FERI AG mit Hauptsitz in Bad Homburg zählt zu den führenden bankenunabhängigen Asset Managern in der DACH-Region. FERI verbindet aktives Asset Management mit persönlicher Beratung, um Vermögen langfristig zu schützen und nachhaltig weiterzuentwickeln.

Seit 1987 bietet FERI für institutionelle Investoren, Familienvermögen und Stiftungen maßgeschneiderte Investmentlösungen, die aktives Vermögensmanagement und wissenschaftlich fundierte Analysen verbinden. Dafür setzt FERI auf eine strategische Multi Asset Steuerung über neun Anlageklassen hinweg, die risikoadjustierte Diversifikation und Stabilität in den Portfolios ermöglicht.

Das 2016 gegründete FERI Cognitive Finance Institute agiert innerhalb der Gruppe als strategisches Forschungszentrum und Think-Tank. Das Institut entwickelt innovative Analyseansätze zu langfristigen ökonomischen sowie kapitalmarktbezogenen Fragestellungen und stärkt die wissenschaftliche Basis der Investmentstrategien.

Gemeinsam mit MLP betreut FERI derzeit ein Vermögen von über 68 Milliarden Euro, davon mehr als 18 Milliarden Euro in alternativen Investments. Neben dem Hauptsitz in Bad Homburg ist FERI in Düsseldorf, Hamburg, Hannover und München sowie in Luxemburg, Wien und Zürich vertreten.



Pressekontakt

Julia Kramer

Head of Communications & Spokesperson

Rathausplatz 8-10

61348 Bad Homburg

Eduard Baitinger Portrait