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Der jüngste Zinsanstieg hat an den Kapitalmärkten deutliche Spuren hinterlassen. In der Spitze lagen US-Treasuries bei einer Rendite von 5,3 % und damit 100 Basispunkte höher als zu Beginn des Jahres. Auf Indexebene haben sich diese Werte nur bedingt widergespiegelt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch eine deutliche Differenzierung: Die Marktbreite nahm spürbar ab und Nebenwerte gerieten unter Druck, während Qualitätsunternehmen relative Stärke zeigten. Zudem schürte der Zinsdruck Finanzierungssorgen im KI-Segment.
Am stärksten traten diese bei den sogenannten Neoclouds zutage, vergleichsweise kleinen, spezialisierten Anbietern von KI-Rechenkapazitäten. Aufgrund ihrer hohen Verschuldung und ihres großen Kapitalbedarfs zählen sie zu den finanziell anfälligsten Gliedern der KI-Wertschöpfungskette und reagieren entsprechend früh auf restriktivere Finanzierungsbedingungen. Sinkende Anleihekurse und steigende Prämien für Kreditausfallversicherungen signalisierten zunehmende Zweifel an der Finanzierbarkeit ihrer ambitionierten Investitionspläne.
Zusätzlich verunsicherte, dass der Umsatz von Anthropic, einem der führenden KI-Modellanbieter, hinter den hohen Erwartungen zurückblieb. Diese Enttäuschung dämpfte die Bewertungserwartungen im Vorfeld des geplanten Börsengangs: Zuletzt wurden etwa 1,5 Billionen USD diskutiert, nachdem Investoren zuvor von rund 2 Billionen USD ausgegangen waren. Gemessen an der Unternehmensbewertung wäre dies allerdings weiterhin einer der größten Börsengänge der Finanzmarktgeschichte. Zudem bleibt das Wachstum mit einem Umsatzplus von rund 45 % gegenüber dem Vorquartal außergewöhnlich hoch. Zwar lag das Wachstum vom ersten Quartal des Jahres auf das zweite Quartal bei 146 %, aber eine solche Spannbreite ist bei jungen Unternehmen keine Seltenheit. Dass es zu dieser Verlangsamung gekommen ist, dürfte neben stärkerem Wettbewerb und sinkenden Erlösen je Nutzungseinheit auch auf die Sperrung von Konten zurückzuführen sein, über die konkurrierende Anbieter mithilfe sogenannter Modelldestillation eigene Modelle trainierten. Der Verzicht auf diese Umsätze belastet zwar kurzfristig das Wachstum, könnte langfristig allerdings dazu beitragen, Anthropics technologischen Vorsprung zu schützen und die eigene Wettbewerbsposition zu stärken.
Zuletzt mehrten sich jedoch die positiven Signale. Der Zinsdruck ließ nach, und die Langfristzinsen entfernten sich deutlich von ihren Jahreshochs. Die mittlerweile hohen Nominal- und insbesondere Realrenditen zogen wieder verstärkt Investoren an, was sich auch in der regen Nachfrage bei den jüngsten Anleiheauktionen widerspiegelte. Gleichzeitig deutet die laufende Berichtssaison weiterhin auf ein robustes Gewinnwachstum und einen intakten KI-Investitionszyklus hin. Bereits zuvor hatten steigende Gewinne die rückläufigen Bewertungen weitgehend kompensiert und damit größere Verluste der Gesamtindizes abgefedert. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass derzeit sowohl von der Zins- als auch von der Gewinnseite unterstützende Impulse kommen. Dies spricht gegen eine anhaltende Korrektur der breiten Aktienmärkte.
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