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FERI-Studie: Chinas „dritte Welle“ zielt auf globale Technologieführerschaft

Bad Homburg, 28.10.2026
  • China vollzieht den Schritt vom technologischen Aufholen zum Führungsanspruch
  • Halbleiter, KI, Robotik und Drohnen stehen im Zentrum der neuen wirtschaftsstrategischen Offensive
  • Industriepolitik und staatlich gelenktes Kapital beschleunigen Entwicklung und Skalierung
  • USA und China bilden konkurrierende Technologiesphären – Europa gerät zwischen die Blöcke
  • FERI Cognitive Finance Institute analysiert mit Sinolytics GmbH Folgen für Unternehmen und professionelle Investoren

China tritt in eine neue Phase seiner industriellen Entwicklung ein. Nach der Integration in globale Wertschöpfungsketten und dem Aufstieg chinesischer Unternehmen zu Wettbewerbern westlicher Anbieter richtet sich der strategische Fokus Pekings nun auf die Schlüsseltechnologien der Zukunft. Eine neue Studie des FERI Cognitive Finance Institute in Zusammenarbeit mit der China-Strategieberatung Sinolytics GmbH untersucht diese Entwicklung und ihre Folgen für Europa. „Chinas dritte Welle wird im Westen deutlich stärker einschlagen als die beiden vorherigen“, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute. „Für Deutschland und Europa entsteht daraus eine grundlegende Herausforderung, denn viele Erfolgsmodelle der vergangenen Jahrzehnte basierten auf einem technologischen Vorsprung.“

Vom Aufholen zur Technologieführerschaft

Die erste Welle des chinesischen Aufstiegs machte China nach dem WTO-Beitritt 2001 zur globale Produktionsplattform. Die zweite Welle trifft Europa derzeit mit voller Wucht. Chinesische Unternehmen sind in Branchen wie Automobil, Maschinenbau und Chemie zu ernstzunehmenden Wettbewerbern aufgestiegen – allerdings entlang von Technologiepfaden, die der Westen vorgegeben hatte. Genau das ändert sich nun. „Die dritte Welle markiert den Übergang von der technologischen Aufholjagd zur aktiven Gestaltung eigener, paralleler Technologiepfade“, erklärt Björn Conrad, CEO der Sinolytics GmbH und Mitautor der Studie. „China etabliert in strategischen Zukunftsfeldern zunehmend entkoppelte und wettbewerbsfähige technologische Lösungen.“ Im Zentrum stehen Halbleiter, generative und industrielle KI, Robotik, Drohnen sowie weitere technologische Zukunftsfelder.

Industriepolitik als Motor der dritten Welle

China überlässt den technologischen Aufstieg nicht dem Markt. Mit staatlicher Förderung, strategisch gelenktem Kapital und einer gezielten Unterstützung von Zukunftsindustrien schafft Peking die Voraussetzungen, neue Technologien schnell zu entwickeln und industriell zu skalieren. Ziel ist es, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren, die eigene industrielle Basis zu stärken und chinesische Technologien zunehmend international zu etablieren. Der neue nationale Wagniskapital-Leitfonds, der rund eine Billion Renminbi (131 Milliarden Euro) mobilisieren soll, verdeutlicht die Dimension dieses industriepolitischen Ansatzes.

Europa zwischen zwei Technologiesphären

Politik und Wirtschaft in Europa haben die Dynamik des chinesischen Aufstiegs lange unterschätzt und zu zögerlich reagiert. Nun verschärft die dritte Welle die Herausforderung zusätzlich. Das globale Technologiesystem spaltet sich zunehmend in eine US-amerikanische und eine chinesische Sphäre, mit jeweils eigenen Standards, Plattformen und Lieferketten. Für europäische Unternehmen entsteht daraus ein strategisches Dilemma: Sie profitieren von leistungsfähigen und kostengünstigen chinesischen Technologien, riskieren damit aber zunehmend Konflikte mit amerikanischen Marktzugangs- und Technologiebeschränkungen. „Besonders relevant ist diese Entwicklung für den deutschen Mittelstand“, betont Rapp. „Ausgerechnet jene industriellen Kernkompetenzen, die Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit über Jahrzehnte geprägt haben, geraten jetzt unter Druck.“

Neue Chancen und Risiken für Unternehmer und professionelle Investoren

„Die zentrale Frage lautet, wo die Wertschöpfung der nächsten technologischen Entwicklungsstufe entsteht“, so Rapp. „Davon hängen künftig nicht nur Marktanteile und Unternehmensgewinne ab, sondern auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften.“ Für Investoren rücken damit Unternehmen in den Fokus, die Schlüsselpositionen in den entstehenden Industrieplattformen, Wertschöpfungsnetzwerken und technologischen Ökosystemen der dritten Welle besetzen. Chinas Erfolg ist dabei keineswegs garantiert. Technologische Engpässe, geopolitische Gegenmaßnahmen, Überkapazitäten und Fehlallokationen von Kapital können den Aufstieg bremsen. Doch selbst wenn nicht alle Ziele erreicht werden, wird bereits Chinas Versuch, an die technologische Führungsposition zu gelangen, die globale Verteilung von Unternehmensgewinnen, Investitionsströmen und Marktanteilen beeinflussen.

Die aktuelle Studie „Chinas ‚dritte Welle‘: Globale Disruption bei KI, Robotik und Zukunftstechnologien“ des FERI Cognitive Finance Institute entstand in Zusammenarbeit mit der China-Strategieberatung Sinolytics GmbH. Die Analyse steht im Download-Bereich dieser Seite zur Verfügung. 



Pressekontakt

Julia Kramer

Head of Communications & Spokesperson

Rathausplatz 8-10

61348 Bad Homburg