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Economics Update Juli 2026 - Inflation: Entspannung, aber keine Entwarnung – insbesondere nicht für die USA

Bad Homburg, 07.07.2026
von Axel D. Angermann
  • Niedrigere Energiepreise dämpfen kurzfristig die Inflationsraten sowohl im Euroraum als auch in den USA
  • Euroraum: Rückgang der Inflation auf 2 Prozent im Frühjahr 2027 wahrscheinlich
  • USA: Robuste Konjunktur und anhaltender KI-Boom verhindern nachhaltiges Absinken der Inflation auf den 2-Prozent-Zielwert
  • Inflation bleibt relevantes Thema – im Fokus steht die Entwicklung der US-Wirtschaft

Im Euroraum ist die Inflationsrate im Juni auf 2,8 Prozent zurückgegangen, nachdem sie im Mai noch bei 3,2 Prozent gelegen hatte. Das ist natürlich erfreulich. Auch für die USA ist zu erwarten, dass die Inflation gesunken ist: Wir rechnen mit 3,7 Prozent im Juni nach 4,2 Prozent im Vormonat. Die Marktteilnehmer haben erleichtert reagiert und ihre Erwartungen hinsichtlich möglicher Zinserhöhungen der Notenbanken zu Recht zurückgeschraubt.

Die schlechte Nachricht ist aber, dass die Inflation mindestens bis zum Jahresende auf einem Niveau deutlich über dem 2-Prozent-Zielwert der Notenbanken verharren wird. Im Euroraum sind die Aussichten gut, dass die Inflation in der ersten Hälfte des Jahres 2027 – nach dem Herausfallen des Energiepreisschocks aus der Statistik – wieder in der Nähe der 2-Prozent-Marke liegen könnte. Die Perspektiven für die US-Wirtschaft sind hingegen kritischer zu sehen. Dies hat zwei Gründe. Der erste ist die unterschiedliche Konjunkturdynamik. Die US-Wirtschaft ist weiterhin robust, im laufenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um etwa 2 Prozent wachsen. Im Euroraum ist dagegen ein kräftiger und sich selbst tragender Aufschwung nach wie vor nicht in Sicht. Die Wirtschaftsleistung wird hier dieses Jahr lediglich um etwa 0,3 Prozent steigen und auch im kommenden Jahr voraussichtlich weniger als 1 Prozent wachsen. In einem solchen Umfeld fällt es Unternehmen schwer, höhere Energiepreise oder Inputkosten an ihre Kunden weiterzugeben. Der Spielraum auf Arbeitnehmerseite für die Durchsetzung höherer Löhne ist ebenfalls begrenzt. Das Risiko von Zweitrundeneffekten, die die Inflation auf einem hohen Niveau halten, ist also gering.

Der zweite Grund für die anhaltende Inflationsproblematik in den USA liegt in der wichtigsten Triebkraft des kräftigen Wachstums: Der KI-Boom trägt selbst zu Preissteigerungen bei. Insbesondere die drastisch teurer gewordenen High-End-KI-Speicherchips sind ein signifikanter inflationstreibender Faktor. Das hat die Ankündigung von Preiserhöhungen seitens Apple jüngst gezeigt.

Risiken für die US-Konjunktur

Mittelfristig ergeben sich daraus Risiken für die US-Wirtschaft. Entweder setzt sich die aktuelle Entwicklung fort – mit der Folge, dass die Inflation nicht ohne weiteres in Richtung der angestrebten 2-Prozent-Marke sinkt. Die US-Notenbank Federal Reserve müsste dann ernsthaft Zinserhöhungen ins Auge fassen, trotz der daraus resultierenden negativen Wirkungen auf die Finanzierungsbedingungen und damit auf die allgemeine Konjunktur. Oder aber der KI-Boom endet beziehungsweise mündet in eine temporäre Ernüchterungsphase, in der die sehr hohen Erwartungen ein Stück weit nach unten korrigiert werden. Die damit verbundenen Kurskorrekturen für Technologiewerte hätten wegen der negativen Vermögenspreiseffekte eine deutlich dämpfende Wirkung auf den privaten Konsum und damit auf die Konjunktur insgesamt.

Kurzfristig dürfte an den Märkten die Erleichterung über gesunkene Energiepreise und den daraus resultierenden dämpfenden Effekt auf die Inflation überwiegen. Für eine generelle Entwarnung ist es aber zu früh: Die Problematik über dem Zielwert liegender Inflationsraten dürfte weiterhin relevant bleiben. Unser Hauptaugenmerk liegt in diesem Zusammenhang klar auf der Entwicklung in den USA.


Über Axel D. Angermann

Axel D. Angermann analysiert als Chef-Volkswirt der FERI Gruppe die konjunkturellen, geldpolitischen und strukturellen Entwicklungen aller für die Asset Allocation wesentlichen Märkte. Seine Analysen bilden die Grundlage für die strategische Ausrichtung der Multi Asset-Strategie der FERI, die vom CIO der FERI Gruppe, Dr. Marcel V. Lähn, verantwortet wird. Angermann selbst verantwortet seit 2008 die von FERI erstellten Analysen und Prognosen für die Gesamtwirtschaft und die internationalen Finanzmärkte. 2002 trat er als Makroanalyst in das Unternehmen ein. Seine berufliche Karriere begann beim Max-Planck-Institut für Ökonomie und beim Verband der chemischen Industrie. Angermann studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Bayreuth.

Über FERI

Die FERI Gruppe mit Hauptsitz in Bad Homburg wurde 1987 gegründet und hat sich zu einem der führenden Multi Asset-Investmenthäuser im deutschsprachigen Raum entwickelt. Für institutionelle Investoren, Familienvermögen und Stiftungen bietet FERI maßgeschneiderte Lösungen in den Geschäftsfeldern:

Das 2016 gegründete FERI Cognitive Finance Institute agiert innerhalb der FERI Gruppe als strategisches Forschungszentrum und kreative Denkfabrik, mit klarem Fokus auf innovative Analysen und Methodenentwicklung für langfristige Aspekte von Wirtschafts- und Kapitalmarktforschung.

Derzeit betreut FERI zusammen mit MLP ein Vermögen von über 65 Mrd. Euro, darunter mehr als 18 Mrd. Euro Alternative Investments. Die FERI Gruppe unterhält neben dem Hauptsitz in Bad Homburg weitere Standorte in Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München, Luxemburg, Wien und Zürich.



Pressekontakt

Julia Kramer

Head of Communications & Spokesperson

Rathausplatz 8-10

61348 Bad Homburg

Axel Angermann