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An den globalen Börsen dominieren derzeit die positiven Nachrichten. Das stützt weiterhin die Kurse. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran sowie die damit verbundene Aussicht auf eine schrittweise Öffnung der Straße von Hormus hat die Ölpreise spürbar sinken lassen. Damit sind auch die Inflationsrisiken gesunken. Allerdings handelt es sich bislang lediglich um ein allgemein formuliertes Grundsatzabkommen. Die eigentlichen Streitfragen wurden auf künftige Verhandlungsrunden vertagt, in denen die Details verhandelt werden müssen.
Der weitere Verhandlungsprozess dürfte keineswegs geradlinig verlaufen und temporäre Rückschläge bleiben wahrscheinlich – wie die erneut unklare Situation rund um die Straße von Hormus eindrucksvoll zeigt. Denn der Iran hat erkannt, über welch bedeutenden geopolitischen Hebel er mit der Straße von Hormus verfügt. Das stärkt seine Verhandlungsposition für die kommenden Gespräche. Zudem bleibt abzuwarten, ob Israel eine diplomatische Lösung dauerhaft mitträgt. Dennoch erscheint eine erneute massive Eskalation des Konflikts auf mittlere Sicht derzeit wenig wahrscheinlich – die Kontrahenten dürften daran letztendlich kein Interesse haben.
Auch der geglückte IPO von SpaceX sorgte für positive Impulse. Er zeigte, dass die Kapitalmärkte weiterhin selbst sehr große Emissionen problemlos absorbieren können. Nun warten die Marktteilnehmer gespannt auf die ebenfalls für dieses Jahr angekündigten Börsengänge von OpenAI und Anthropic. Sollten auch diese erfolgreich verlaufen – wovon derzeit auszugehen ist – wäre dies ein weiterer Beleg für die derzeit hohe Risikofreude der Investoren.
Die Mega-IPOs dürften zwar nur begrenzte direkte Auswirkungen auf die etablierten Aktienindizes haben, da der Streubesitz zunächst sehr gering sein wird. Ihr indirekter Einfluss kann jedoch erheblich sein. OpenAI, Anthropic und SpaceX sind hochsensible Gradmesser für die KI-Euphorie. Entsprechend dürfte ihre Signalwirkung weit über ihr tatsächliches Indexgewicht hinausgehen und die Empfindlichkeit der US-Aktienmärkte gegenüber dem KI-bezogenen Sentiment weiter erhöhen.
Der neue Präsident der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), Kevin Warsh, hat bei seiner ersten Fed-Sitzung direkt eine klare Duftmarke gesetzt: Er sprach sich für weniger „Forward Guidance“ aus, also eine geringere Steuerung der Markterwartungen hinsichtlich der künftigen Geldpolitik. Dies verschafft der Fed mehr Flexibilität, allerdings müssen die Marktteilnehmer ihre geldpolitischen Erwartungen künftig stärker selbst aus den eingehenden Wirtschaftsdaten ableiten. Das eröffnet Spielraum für Überraschungen, die rund um die Fed-Sitzungen zu mehr Schwankungen an den Kapitalmärkten führen dürften.
Zudem betonte Warsh in seinem Statement klar das Ziel der Preisstabilität. Das zweite Mandat der US-Notenbank, die Förderung maximaler Beschäftigung, spielte kaum eine Rolle. Zur Überraschung vieler Marktteilnehmer hat dieser falkenhafte Auftakt bislang keine nachhaltigen Belastungen für die Aktienmärkte nach sich gezogen. Im Gegenteil: Bereits am Folgetag machten die US-Aktienindizes ihre zuvor moderaten Kursverluste mehr als wett.
Eine genauere Analyse zeigt, dass die falkenhafte Ausrichtung der Fed auch positive Seiten hat und nicht ausschließlich negativ bewertet werden sollte: Eine glaubwürdige Inflationsbekämpfung senkt das Risiko dauerhaft erhöhter Teuerungsraten und wirkt damit dämpfend auf die langfristigen Inflationserwartungen. Tatsächlich gingen diese am Tag des Fed-Entscheids zurück. Das wirkt entlastend auf die langfristigen Marktzinsen und stützt damit die Bewertungen an den Aktienmärkten. Insofern erscheint die insgesamt moderat positive Marktreaktion keineswegs irrational.