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Die positiven Konjunkturdaten aus den ersten Wochen des Jahres haben sich in einem Wachstum der deutschen Wirtschaft um 0,3 Prozent im ersten Quartal 2026 niedergeschlagen. Das ist zwar noch nicht der ersehnte Aufschwung. Wenn es bei dieser Dynamik bliebe, würde es aber immerhin für mehr als ein Prozent Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 insgesamt reichen.
Dennoch sind die Aussichten sehr verhalten: Legt man die Konsensprognosen zugrunde, traut nur eines von 32 teilnehmenden Instituten der deutschen Wirtschaft im Jahr 2026 ein Wachstum von mehr als einem Prozent zu. Tatsächlich lag die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2026 lediglich um 0,8 Prozent höher als Ende des Jahres 2019 unmittelbar vor dem Corona-Schock. Zum Vergleich: Sechs Jahre nach Beginn der Rezession im Jahr 2008 waren es vier Prozent gewesen, sechs Jahre nach dem Platzen der Dotcom-Blase waren es sieben Prozent und in den 1990er-Jahren sogar acht Prozent.
Auch im internationalen Vergleich steht Deutschland schlecht da: Dem mageren Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 Prozent seit Ende 2019 steht ein entsprechendes Plus in den USA von 15 Prozent und im gesamten Euroraum von sieben Prozent gegenüber. Sowohl historisch betrachtet als auch im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften besteht also für die deutsche Wirtschaft theoretisch ein enormes Aufholpotenzial. Kaum jemand aber glaubt daran, dass es wirklich in nennenswerter Weise realisiert wird.
Woran liegt das? Tatsächlich beruhen die verbleibenden Hoffnungen auf ein positives Wachstum der deutschen Wirtschaft darauf, dass die Wirkung der von der Regierung auf den Weg gebrachten Sonderschulden einsetzt: Der zuletzt zu beobachtende Anstieg der Auftragseingänge in der Industrie ist beispielsweise auf verstärkte Verteidigungsausgaben zurückzuführen. Im Baugewerbe dagegen sind die Erwartungen für die Zukunft zuletzt wieder tief in den roten Bereich abgerutscht. Gleiches gilt für alle wesentlichen Dienstleistungssektoren, wo schon vor dem Beginn des Krieges im Iran die Stimmung bestenfalls verhalten war. Die infolge des Krieges deutlich gestiegenen Energiepreise belasten den privaten Konsum, die allgemein hohen geopolitischen Unsicherheiten dämpfen die Investitionstätigkeit und das außenwirtschaftliche Umfeld stellt sich für die nach wie vor exportorientierte deutsche Wirtschaft bis auf weiteres ebenfalls ungünstig dar. Dass ein breiter Aufschwung allein durch höhere staatliche Ausgaben herbeigeführt werden kann, glaubt niemand ernsthaft.
Trotzdem wäre es zu kurz gegriffen, wenn man nun allein exogene Faktoren für die schwache Dynamik der deutschen Wirtschaft verantwortlich macht. Das Kernproblem bleibt die Schwäche der privaten Investitionen: Während der Staatskonsum Ende des Jahres 2025 gut 13 Prozent höher war als Ende 2019, lagen die privaten Investitionen mehr als elf Prozent unter dem damaligen Niveau. Diese Zahlen sollten auch in den verteilungspolitischen Debatten stärker berücksichtigt werden, wie ein einfaches Gedankenexperiment zeigt: Wäre die deutsche Wirtschaft in den zurückliegenden Jahren in dem Maße gewachsen wie die der übrigen Länder des Euroraums, würde das deutsche BIP preisbereinigt um mehr als 80 Milliarden Euro höher sein, als es tatsächlich der Fall ist. Der Finanzminister könnte also allein in einem Quartal Mehreinnahmen von knapp 10 Milliarden Euro verbuchen – ein Großteil der Debatten um den Finanzhaushalt des Bundes hätte sich damit erledigt.
Es bleibt daher dabei: Für eine nachhaltig positive Entwicklung müssen die Rahmenbedingungen für privates Unternehmertum und private Investitionen deutlich besser werden. Die Notwendigkeiten sind im Detail vielfach beschrieben und Lösungen aufgezeigt worden. Was bislang erst in Ansätzen sichtbar ist, ist der politische Wille zu konkretem wachstumsorientiertem Handeln. Erst wenn sich das ändert, wären Wachstumsprognosen von zwei bis drei Prozent im Jahr, wie es sie früher nach Schwächephasen regelmäßig gab, realistisch.