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Drastisch steigende Ölpreise waren in der Vergangenheit immer wieder Auslöser weltweiter Rezessionen. Die weitgehende Schließung der Straße von Hormus infolge der Eskalation des Iran-Konflikts beeinträchtigt etwa 20 Prozent der globalen Ölversorgung und hat deshalb wenig überraschend zu einem spürbaren Anstieg des Ölpreises geführt. Wie gefährlich ist das für die globale Konjunktur?
Die Antwort auf diese Frage hängt zunächst entscheidend davon ab, ob es sich um ein temporäres Ereignis handelt, oder ob die Unterbrechung der Ölversorgung über die Straße von Hormus von längerer Dauer ist. Die erste Reaktion der Märkte signalisiert, dass die Marktteilnehmer überwiegend von der ersten Option ausgehen, und tatsächlich gibt es gute Gründe dafür. Zwar verfügt der Iran vermutlich über ausreichende militärische Mittel, den Öltransport durch die Straße von Hormus zu unterbinden – insbesondere Drohnen dürften hier eine wesentliche Rolle spielen. Drohnenangriffe wirksam zu bekämpfen ist ein schwieriges Unterfangen, weil ihr Einsatz dezentral erfolgen kann und die Abwehrraketen um ein Vielfaches teurer sind als die Drohnen selbst. Das iranische Regime scheint allerdings unter dem Druck der militärischen Angriffe deutlich geschwächt. Dass die Opposition im Iran selbst die Macht übernehmen kann, erscheint aus heutiger Sicht sehr unwahrscheinlich, aber auch das aktuell herrschende Triumvirat als unmittelbarer Nachfolger des bisherigen Führers Khamenei sollte angesichts der eigenen militärischen Unterlegenheit gegenüber den USA und Israel ein Interesse daran haben, die militärische Auseinandersetzung so bald wie möglich zu beenden. Der Tod von Khamenei öffnet im Grundsatz die Möglichkeit zu einer pragmatischeren und primär am eigenen Machterhalt orientierten Herangehensweise. Dies würde bedeuten, dass die iranische Führung zumindest vorerst auf die Forderungen der USA und Israels eingeht. Trump könnte dies als Erfolg verbuchen, zumal er angesichts der Stimmung unter seinen Anhängern kein Interesse an einer länger andauernden Auseinandersetzung haben kann. Wir gehen deshalb in unserem Basisszenario von einer baldigen Beendigung der unmittelbaren militärischen Auseinandersetzung und einer Normalisierung des Ölpreises aus. Negative Folgen für die weltweite Konjunktur wären in diesem Falle zwar vorhanden, dürften aber überschaubar bleiben.
Auch im Falle eines anhaltend hohen Ölpreisniveaus könnten die Folgen zumindest weniger gravierend sein als in früheren Zyklen. Zwar wirkt ein höherer Ölpreis wie eine zusätzliche Konsumsteuer und dämpft damit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Weil aber die pro Einheit Wirtschaftsleistung eingesetzte Menge an Öl in den zurückliegenden Jahrzehnten vor allem in den hoch entwickelten Industrieländern gesunken ist, fällt dieser Effekt geringer aus. Hinzu kommt: Die Notenbanken dürften auf steigende Inflationsraten infolge höherer Ölpreise nicht mit Zinserhöhungen reagieren, sondern im Gegenteil eher versuchen, mit Zinssenkungen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stabilisieren.
Eine weitergehende Eskalation der Krise im Nahen Osten mit der Folge drastisch höherer Ölpreise, die zum Auslöser einer globalen Rezession werden, ist aus heutiger Sicht ein signifikantes Risikoszenario, das fortlaufend Beachtung verdient. Es gibt aber gute Gründe, dies nicht als Basisszenario anzusehen.