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Economics Update März 2026 - Wie gefährlich ist ein hoher Ölpreis?

Bad Homburg, 03.03.2026
von Axel D. Angermann
  • Anstieg des Ölpreises infolge der Eskalation im Nahen Osten fällt bislang moderat aus
  • Politische Führung im Iran sollte eigenes Interesse daran haben, auf US-amerikanische Forderungen einzugehen
  • Baldiges Ende der militärischen Auseinandersetzung und Normalisierung des Ölpreises möglich
  • Basisszenario: Abschwächung der globalen Konjunkturdynamik, aber keine Rezession

Drastisch steigende Ölpreise waren in der Vergangenheit immer wieder Auslöser weltweiter Rezessionen. Die weitgehende Schließung der Straße von Hormus infolge der Eskalation des Iran-Konflikts beeinträchtigt etwa 20 Prozent der globalen Ölversorgung und hat deshalb wenig überraschend zu einem spürbaren Anstieg des Ölpreises geführt. Wie gefährlich ist das für die globale Konjunktur?

Die Antwort auf diese Frage hängt zunächst entscheidend davon ab, ob es sich um ein temporäres Ereignis handelt, oder ob die Unterbrechung der Ölversorgung über die Straße von Hormus von längerer Dauer ist. Die erste Reaktion der Märkte signalisiert, dass die Marktteilnehmer überwiegend von der ersten Option ausgehen, und tatsächlich gibt es gute Gründe dafür. Zwar verfügt der Iran vermutlich über ausreichende militärische Mittel, den Öltransport durch die Straße von Hormus zu unterbinden – insbesondere Drohnen dürften hier eine wesentliche Rolle spielen. Drohnenangriffe wirksam zu bekämpfen ist ein schwieriges Unterfangen, weil ihr Einsatz dezentral erfolgen kann und die Abwehrraketen um ein Vielfaches teurer sind als die Drohnen selbst. Das iranische Regime scheint allerdings unter dem Druck der militärischen Angriffe deutlich geschwächt. Dass die Opposition im Iran selbst die Macht übernehmen kann, erscheint aus heutiger Sicht sehr unwahrscheinlich, aber auch das aktuell herrschende Triumvirat als unmittelbarer Nachfolger des bisherigen Führers Khamenei sollte angesichts der eigenen militärischen Unterlegenheit gegenüber den USA und Israel ein Interesse daran haben, die militärische Auseinandersetzung so bald wie möglich zu beenden. Der Tod von Khamenei öffnet im Grundsatz die Möglichkeit zu einer pragmatischeren und primär am eigenen Machterhalt orientierten Herangehensweise. Dies würde bedeuten, dass die iranische Führung zumindest vorerst auf die Forderungen der USA und Israels eingeht. Trump könnte dies als Erfolg verbuchen, zumal er angesichts der Stimmung unter seinen Anhängern kein Interesse an einer länger andauernden Auseinandersetzung haben kann. Wir gehen deshalb in unserem Basisszenario von einer baldigen Beendigung der unmittelbaren militärischen Auseinandersetzung und einer Normalisierung des Ölpreises aus. Negative Folgen für die weltweite Konjunktur wären in diesem Falle zwar vorhanden, dürften aber überschaubar bleiben.

Auch im Falle eines anhaltend hohen Ölpreisniveaus könnten die Folgen zumindest weniger gravierend sein als in früheren Zyklen. Zwar wirkt ein höherer Ölpreis wie eine zusätzliche Konsumsteuer und dämpft damit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Weil aber die pro Einheit Wirtschaftsleistung eingesetzte Menge an Öl in den zurückliegenden Jahrzehnten vor allem in den hoch entwickelten Industrieländern gesunken ist, fällt dieser Effekt geringer aus. Hinzu kommt: Die Notenbanken dürften auf steigende Inflationsraten infolge höherer Ölpreise nicht mit Zinserhöhungen reagieren, sondern im Gegenteil eher versuchen, mit Zinssenkungen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stabilisieren.

Eine weitergehende Eskalation der Krise im Nahen Osten mit der Folge drastisch höherer Ölpreise, die zum Auslöser einer globalen Rezession werden, ist aus heutiger Sicht ein signifikantes Risikoszenario, das fortlaufend Beachtung verdient. Es gibt aber gute Gründe, dies nicht als Basisszenario anzusehen.


Über Axel D. Angermann

Axel D. Angermann analysiert als Chef-Volkswirt der FERI Gruppe die konjunkturellen, geldpolitischen und strukturellen Entwicklungen aller für die Asset Allocation wesentlichen Märkte. Seine Analysen bilden die Grundlage für die strategische Ausrichtung der Multi Asset-Strategie der FERI, die vom CIO der FERI Gruppe, Dr. Marcel V. Lähn, verantwortet wird. Angermann selbst verantwortet seit 2008 die von FERI erstellten Analysen und Prognosen für die Gesamtwirtschaft und die internationalen Finanzmärkte. 2002 trat er als Makroanalyst in das Unternehmen ein. Seine berufliche Karriere begann beim Max-Planck-Institut für Ökonomie und beim Verband der chemischen Industrie. Angermann studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Bayreuth.

Über FERI

Die FERI Gruppe mit Hauptsitz in Bad Homburg wurde 1987 gegründet und hat sich zu einem der führenden Multi Asset-Investmenthäuser im deutschsprachigen Raum entwickelt. Für institutionelle Investoren, Familienvermögen und Stiftungen bietet FERI maßgeschneiderte Lösungen in den Geschäftsfeldern:

Das 2016 gegründete FERI Cognitive Finance Institute agiert innerhalb der FERI Gruppe als strategisches Forschungszentrum und kreative Denkfabrik, mit klarem Fokus auf innovative Analysen und Methodenentwicklung für langfristige Aspekte von Wirtschafts- und Kapitalmarktforschung.

Derzeit betreut FERI zusammen mit MLP ein Vermögen von 64,2 Mrd. Euro, darunter ca. 18,6 Mrd. Euro Alternative Investments. Die FERI Gruppe unterhält neben dem Hauptsitz in Bad Homburg weitere Standorte in Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München, Luxemburg, Wien und Zürich.



Pressekontakt

Marcel Renné

Vorsitzender des Vorstandes & CEO

Rathausplatz 8-10

61348 Bad Homburg

Axel Angermann