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Grönland und Arktis: Europa steckt im geopolitischen Schraubstock

Bad Homburg, 26.01.2026
von FERI Cognitive Finance Institute
  • In der Arktis kreuzen sich strategische Ziele und ökonomische Interessen der Großmächte
  • Europa gerät in der Region zunehmend unter Druck – von Russland, China und den USA
  • Ohne klare und selbstbewusste Aufstellung wird Europa zum machtpolitischen Spielball
  • Neue „Weltunordnung“ erfordert strategische Reflexion – auch bei professionellen Investoren

Trump mag in der vergangenen Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos von seiner Drohung einer Annexion Grönlands abgebracht worden sein und damit in Europa für Erleichterung gesorgt haben. „Der globale Machtpoker um die Arktis ist aber in vollem Gange – und Europa sitzt dabei nur am Kindertisch“, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute, das bereits vor Trumps jüngster Eskalation eine umfassende Analyse zum Kampf um die Arktis veröffentlicht hat.

Der Konflikt um Grönland hat die Arktis erst jetzt richtig in die breite öffentliche Wahrnehmung gebracht. Dabei ist das Thema schon länger hochbrisant, wurde aber in Europa sträflich vernachlässigt. „Der Klimawandel und das rapide Abtauen des Polareises eröffnen ganz neue Spielräume, die von Staaten wie China und Russland bereits gezielt genutzt werden“, sagt Rapp. Russland profitiere vor allem militärisch und gewinne mehr Bewegungsfreiheit für seine Nordmeerflotte. Für China bedeute die Öffnung der Arktis eine signifikante Verkürzung von Schifffahrtsrouten – aber auch Zugang zu bislang noch unerschlossenen Rohstoffquellen.

Auch die USA hätten die geostrategische Bedeutung der Arktis erkannt und versuchten nun massiv, dort Fuß
zu fassen, zuletzt mit abstrusen Besitzansprüchen auf Grönland. Rapp zufolge geht es dabei auch um handfeste wirtschaftliche Interessen – getrieben vom Rohstoffhunger der US-Tech-Giganten nach kritischen Metallen. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA bezeichne die Arktis als wichtiges Element der US-Sicherheitspolitik, was den aggressiven Kurs gegenüber Dänemark und anderen NATO-Verbündeten erkläre. „Die USA folgen damit auch in der Arktis ihrer neuformulierten Machtpolitik, die sich von der Idee ‚des
Westens‘ abwendet und stattdessen am Prinzip neoimperialer Hemisphären ausrichtet“, erläutert Rapp.

Klar sei: Die arktische Region entwickelt sich rasant zur neuen Frontlinie der drei Großmächte USA, Russland und China. „Die Arktis wird damit vom unterschätzten ‚Blindspot‘ zum geopolitischen ‚Hotspot‘“, so Rapp. Aus Sicht Europas zeige sich immer deutlicher: „Der alte Kontinent hat im neuen Konzert der Großmächte keinen Logenplatz mehr.“ Trotz legitimer Interessen der Arktisanrainer Norwegen, Schweden und Finnland verfolge die Europäische Union keine stringente Strategie für die Region. Rapp warnt: „Europa gerät immer stärker in einen geopolitischen Schraubstock. Da neuerdings auch die USA – neben Russland und China – ganz offen europäische Sicherheitsinteressen verletzen, droht eine gefährliche machtpolitische Triangulation.“

Wie der kanadische Premierminister Carney in einer Grundsatzrede auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) klar
gemacht habe, sei auf die USA unter Trump kein Verlass mehr. Die Vorstellung einer regel- und wertebasierten Weltordnung, die auch in Europa oft noch vorherrsche, sei als Illusion entlarvt und müsse einer realistischen Sicht weichen. „Mittelmächte wie Europa stehen damit vor akuten Herausforderungen und müssen sich schnellstmöglich besser aufstellen“, fordert Rapp. „Das Szenario einer neuen ‚Weltunordnung‘ zwingt aber auch Unternehmer und professionelle Investoren zu grundlegenden strategischen Reflexionen.“

Die bereits im Dezember 2025 erschienene Analyse „Kampf um die Arktis – Globaler Wettlauf um Rohstoffe,
Macht und strategische Dominanz“ der Bad Homburger Denkfabrik FERI Cognitive Finance Institute untersucht die rapide Transformation der Arktis und gibt tiefe Einblicke in die geopolitischen Implikationen. Das Cognitive Briefing ist zum Download auf dieser Seite verfügbar.


Über FERI Cognitive Finance Institute

Das FERI Cognitive Finance Institute ist strategisches Forschungszentrum und kreative Denkfabrik der FERI Gruppe, mit klarem Fokus auf innovative Analysen und Methodenentwicklung für langfristige Aspekte von Wirtschafts- und Kapitalmarktforschung. Das Institut nutzt dazu aktuelle Erkenntnisse aus Bereichen wie Verhaltensökonomie, Komplexitätstheorie und Kognitionswissenschaft.

Hinter dem FERI Cognitive Finance Institute steht ein erfahrenes Team mit interdisziplinär akademischem Hintergrund, langjähriger Forschungspraxis und spezifischen Schwerpunktkenntnissen. Zudem besteht Zugang zu einem leistungsfähigen Netzwerk externer Experten.

Gegründet wurde das Institut 2016 von Dr. Heinz-Werner Rapp. Rapp hat an der Universität Mannheim Wirtschaftswissenschaften studiert und über psychologisch geprägtes Anlegerverhalten („Behavioral Finance“) promoviert. Er beschäftigt sich seit Jahren mit alternativen Kapitalmarktmodellen und hat die Grundlagen der neuen „Cognitive Finance“-Theorie entwickelt.

FERI ist seit 1987 als unabhängiges Investmenthaus tätig, mit den Schwerpunkten Investment Research, Investment Management und Investment Consulting. Der Name FERI steht für „Financial & Economic Research International“.