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FERI Economics Update: Juli 2019 – Schwache Konjunktur: Deutsche Industrie verliert Marktanteile

Bad Homburg, 08.07.2019
von Axel D. Angermann, FERI AG
  • Deutschland büßt konjunkturelle Vorreiterrolle in Europa ein
  • Osteuropäische Länder gewinnen erhebliche Anteile auf dem deutschen Markt
  • Starkes Wachstum der Lohnstückkosten zunehmend problematisch

Die erhoffte Frühjahrsbelebung in der deutschen und europäischen Industrie ist bislang ausgeblieben. Die aktuellen Daten machen im Gegenteil wenig Hoffnung, dass sich die Lage noch in diesem Sommer spürbar verbessert. Besonders auffällig ist die außergewöhnliche Schwäche der deutschen Industrie: Die deutsche Industrieproduktion liegt aktuell rund ein Prozentpunkt unter dem Niveau vom Ende des Jahres 2018. In allen anderen größeren Ländern des Euroraums ist die Produktion wenigstens leicht höher als Ende 2018. Bei den Auftragseingängen ist die Diskrepanz noch größer: Während diese im Euroraum seit Jahresbeginn um sehr moderate 0,2 Prozent stiegen, fielen sie in Deutschland um 5 Prozent.

Osteuropa holt auf

Deutschland hat spätestens seit 2017 seine konjunkturelle Vorreiterrolle im Euroraum eingebüßt – die gesamtwirtschaftliche Wachstumsdynamik war seitdem geringer als im Euroraum insgesamt, ebenso das Wachstum der Industrieproduktion. Grund dafür ist ein seit vielen Jahren laufender Strukturwandel zulasten der deutschen Industrie: Im Jahr 2010 steuerten Güter aus deutscher Produktion noch rund 47 Prozent zum Umsatz bei, der in Deutschland insgesamt mit Industrieprodukten erzielt wird. Im Jahr 2018 waren es nur noch knapp 40 Prozent und damit rund 7 Prozentpunkte weniger. Ihre Marktanteile in Deutschland erhöhen konnten hingegen die USA (plus ein Prozentpunkt), China (plus 1,5 Prozentpunkte), vor allem aber die osteuropäischen Länder (plus 2,5 Prozentpunkte). Die Importe aus diesen Ländern legten durchweg stärker zu als die deutschen Industrieimporte insgesamt. Bemerkenswert ist der Umstand, dass das Ausland in Deutschland Marktanteile in Branchen gewinnen konnte, in denen Deutschland selbst besonders exportstark ist, also in der Autoindustrie, dem Maschinenbau, der Chemie, der Elektronik und Elektrotechnik (siehe unten stehende Tabelle). Besonders groß war die Verschiebung in der Datenverarbeitung, Elektronik und Optik sowie bei den elektrotechnischen Ausrüstungen. In diesen beiden Bereichen stieg der Marktanteil aus osteuropäischer Produktion jeweils um rund 5 Prozentpunkte.

Lohnstückkosten in Deutschland rapide gestiegen

Derartige Verschiebungen sind nicht notwendigerweise negativ, insoweit sie Ausdruck veränderter Muster in der internationalen Arbeitsteilung sind, von der gerade Deutschland in der Vergangenheit stark profitiert hat und noch immer profitiert. Problematisch wird es aber, wenn der Verdacht besteht, dass es sich wenigstens zum Teil um einen Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit handelt. Ein Blick auf die Entwicklung der Lohnstückkosten nährt diesen Verdacht: Seit 2008 sind die Lohnstückkosten in Deutschland um fast 27 Prozent gestiegen, im übrigen Euroraum betrug der Zuwachs lediglich 7 Prozent. Damit hat die deutsche Industrie ihren Vorsprung bei den Lohnstückkosten, die zwischen 2000 und 2008 nahezu konstant geblieben waren, während sie im übrigen Euroraum um etwa 18 Prozent stiegen, eingebüßt. Auch im Vergleich zu den osteuropäischen Ländern fiel der Zuwachs der Lohnstückkosten in Deutschland seit 2008 überdurchschnittlich hoch aus. Es werden also neue Anstrengungen notwendig sein, um die Wettbewerbsposition der deutschen Industrie im globalen und insbesondere im europäischen Rahmen zu verteidigen.

Tabelle: Entwicklung der Importe Deutschlands nach Ländern und Branchen

 


Über Axel D. Angermann

Axel D. Angermann analysiert als Chef-Volkswirt der FERI Gruppe die konjunkturellen und strukturellen Entwicklungen aller für die Asset Allocation wesentlichen Märkte. Diese Daten bilden die Grundlage für die strategische Ausrichtung der Vermögensanlagen der FERI.

Angermann verantwortet seit 2008 die von FERI erstellten Analysen und Prognosen für die Gesamtwirtschaft sowie einzelne Branchen. 2002 trat er als Branchenanalyst in das Unternehmen ein. Seine berufliche Karriere begann beim Max-Planck-Institut für Ökonomie und beim Verband der chemischen Industrie. Angermann studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Bayreuth.

Über FERI AG

Die FERI Gruppe mit Hauptsitz in Bad Homburg wurde 1987 gegründet und hat sich zu einem der führenden Investmenthäuser im deutschsprachigen Raum entwickelt. Für institutionelle Investoren, Familienvermögen und Stiftungen bietet FERI maßgeschneiderte Lösungen in den Geschäftsfeldern:

  • Investment Research: Volkswirtschaftliche Prognosen & Asset Allocation-Analysen
  • Investment Management: Institutionelles Asset Management & Private Vermögensverwaltung
  • Investment Consulting: Beratung von institutionellen Investoren & Family Office-Dienstleistungen

Das 2016 gegründete FERI Cognitive Finance Institute agiert innerhalb der FERI Gruppe als strategisches Forschungszentrum und kreative Denkfabrik, mit klarem Fokus auf innovative Analysen und Methodenentwicklung für langfristige Aspekte von Wirtschafts- und Kapitalmarktforschung.

Derzeit betreut FERI zusammen mit MLP ein Vermögen von 36,3 Mrd. Euro, darunter 8 Mrd. Euro Alternative Investments. Die FERI Gruppe unterhält neben dem Hauptsitz in Bad Homburg weitere Büros in Düsseldorf, Hamburg, München, Luxemburg, Wien und Zürich.



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